Diesen Satz möchtest DU niemals in deiner Familie hören!

„DU hast mir garnichts zu sagen! DU bist nicht mein PAPA!“

So- da ist er nun dieser schreckliche Satz, der ihm so deutlich macht, dass er nicht Sophies Papa ist, sondern „nur“ der neue Lebensgefährte ihrer Mama- also quasi ihr „Stiefvater“. Alle seine Freunde und seine ganze Familie hatten es ihm prophezeit und er hatte es einfach weggefegt: „So ein Quatsch! Jenny und ich lieben uns und das werden die Kinder schon akzeptieren.“

Jenny war nach der Trennung von Sophies und Niklas Vater einige Zeit alleinerziehende, berufstätige Mama. Eine kräftezehrende, schwierige Zeit für Jenny, da sie sehr hohe Ansprüche an sich als Mama hat. Sie wünschte sich einen Partner an ihrer Seite, der Erziehung ernst nimmt und gleichberechtigt im Team die Erziehungsarbeit für Sophie und ihren kleinen Bruder übernimmt.

Mühe geben, reicht nicht!

Mühe geben! Ja,  Mühe hat Jan sich wirklich gegeben. Vor beinahe zwei Jahren hat er sich in Jenny verliebt und sich auf ihre hohen Erziehungsansprüche eingelassen. Mit Niklas, Sophies kleinem Bruder, klappt das auch. Jan und er verstehen sich gut und haben kaum Probleme.

Anfangs haben Jenny und Jan die Schwierigkeiten mit Sophie unter dem Thema „Pubertät“ verbucht: „Das legt sich schon wieder, meinte Jenny. Sie wird sich schon an dich gewöhnen“. Das Gegenteil ist der Fall, die Probleme der beiden werden immer schlimmer. Jan hat schon bald das Gefühl überhaupt nicht mehr an den Teenager „ran zu kommen“. Es ist kaum ein Gespräch möglich. Immer häufiger muss Jenny vermitteln und hat dabei das Gefühl zwischen allen Stühlen zu sitzen… es keinem Recht machen zu können!

Jan und Jenny streiten immer öfter über Erziehungsfragen. Jan glaubt sein Bestes zu geben. Aber er spürt auch, dass sich etwas ändern muss, ansonsten geht die Streitspirale immer weiter nach unten. Außerdem hat er Angst davor, dass seine Beziehung zu Jenny über der Auseinandersetzung mit Sophie in die Brüche geht.

Dabei wollte Jenny doch lediglich einen Teil der Verantwortung abgeben. Sie hatte es so satt, die alleinige, schwere Last zu tragen, seit der Vater der Kinder sie verlassen und den Kontakt zu ihr und den Kinder abgebrochen hatte.

Immer wieder stellt Jenny sich diese Frage:

Warum folgen auf ein gelöstes Problem immer zwei neue Probleme?

Jetzt hat Jenny zwar einen Team-Partner, der sie unterstützt bei der Erziehung (sprich- ein Problem gelöst). Dafür sitzt sie aber zwischen den Stühlen, hat Stress mit ihrer Tochter und einen Partner, der glaubt es nicht zu schaffen (ruckzuck- zwei neue Probleme).

Jennys Wunsch nach Hilfe und Unterstützung in der Erziehung ist nur allzu verständlich. Im Team gehen viele Dinge leichter, aber:

„Kinder und Jugendliche kennen nichts Schlimmeres als „Stiefeltern“ die ihre Elternkompetenz raushängen lassen!“

Jan hat keine eigenen Kinder. Auf Jennys Wunsch den Kindern ein „Ersatz“-Vater zu sein, ist er sehr schnell in die Rolle des Erziehers geschlüpft. Er hat sich doch immer eigene Kinder gewünscht. Aus heutiger Sicht- ein Fehler! Bei einer der unzähligen Diskussionen und Streitereien fiel er dann der Satz, vor dem ihn alle gewarnt haben:

„Du hast mir garnichts zu sagen! Du bist nicht mein Papa!“

Sophie signalisiert ihm ganz deutlich: „Lass mich in Frieden!“ Damit hat Jan nicht gerechnet, wollte er doch die ganze Zeit, das Beste für die Kinder und Jenny. Naja und letztlich auch für sich selbst. Diese Reaktion von Sophie trifft ihn hart und… persönlich. Jetzt fällt es ihm schwer zu sehen oder viel mehr zu fühlen, dass die Reaktion des Teenagers etliche Gründe haben kann- die nicht mit ihm zusammen hängen müssen:

  • Jan hat möglicherweise eine emotionale Grenze überschritten- Zutritt nur für leibliche Eltern
  • Sophie hat einen Loyalitätskonflikt zu ihrem Papa, obwohl sie keinen Kontakt zu ihm hat
  • Jan hat Sophies Signale überhört oder versteht ihre Sprache (noch) nicht
  • Jenny und Jan wollten einfach zu schnell zu viel

Ignoriert Jan diese Aufforderung oder überhört sie, wird Sophie irgendwann dazu übergehen ihn persönlich zu kränken oder ähnliches. Darauf folgt eine Reaktion von Jan und so entsteht sehr schnell ein Teufelskreis… und dagegen ist es schwer anzugehen! Jans Gegenmittel sind Selbstdisziplin, Verantwortungsbewußtsein und der Wille Sophies Sprache zu lernen, will er den „Kampf“ gegen Sophie nicht verlieren.

Die Familienkonferenz

Jetzt ist Jenny gefordert! Diese Situation erfordert ein Gespräch zwischen den Erwachsenen. Jenny sollte Jan zu einem Gespräch einladen, in dem es nicht um einen generellen Streit über Kindererziehung geht, sondern um persönliche Ansprüche und Erwartungen. Ich empfehle dieser Familie eine regelmäßige Gesprächsrunde und viel Geduld. Hier kannst Du meinen Artikel zum Thema Familienkonferenz lesen.

Durch regelmäßige Gespräche kann jeder viel über den anderen lernen. Jan lernt die emotionalen Grenzen der Kinder kennen und kann seine eigenen Grenzen klar machen. Das stärkt sein Selbstbewußtsein, macht ihn jedoch nicht automatisch beliebt. Damit verschafft er sich Respekt und legt die Basis für ein vertrauensvolles Miteinander. Außerdem hat er die Möglichkeit Sophies Sprache zu lernen, um beim nächsten Streit ihre Signale zu erkennen und zu verstehen.

Mentor oder Erzieher?

Das was „Stiefeltern“ für Erziehung halten, wenn sie in die Rolle des Erziehers schlüpfen, hat nur selten konstruktiven Einfluß auf Kinder.

Wichtig ist, dass Jan sich trotz Jennys Wunsch nach Team selbst treu bleibt! Dann kann er sich mit seiner Präsenz einbringen und leistet einen wichtigen Beitrag zur neuen Familie. So hat er die Chance durch Vorleben zu führen und den Kindern ein Mentor zu sein. Im besten Fall entwickelt sich zwischen Jan und Jennys Kindern eine Freundschaft… und so kann aus einem „Stiefvater“ mit Geduld, viel Einfühlungsvermögen, Vorleben und dem Erlernen einer neuen Sprache ein Bonuspapa werden!

Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen auf dem Weg zum Bonuspapa. Wie ist es Dir und Deiner Familie ergangen?

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