Das Patchwork-Geheimnis. Was erfolgreiche Patchworker anders machen!

man-413100_1280Für mein Buch „Patchwork-Familien-stärken“ hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Fachanwalt für Familienrecht. Sein Tenor: „80 % der Ehen werden im Bett geschieden“. Danach machte er eine Pause…“ und das aus dem Grund, weil 100 % der Ehen/ Beziehungen (die geschieden werden) an der Kommunikation scheitern!“

„Ich bin ein alter Hase, seit 30 Jahren begleite ich Paare bei Trennung und Scheidung. Es ist erschreckend, wie wenig Paare (die seit vielen Jahren zusammenleben) voneinander wissen!“

Die Ausage ist krass- und sie inspirierte mich, auf die Suche nach dem Patchwork-Geheimnis zu gehen: Warum schaffen es einige wenige Patchworkfamilien richtig gut, während die Anderen mehr schlecht als recht klar kommen?

Was machen erfolgreiche Patchworker anders?

„Wir haben es geschafft“ ist das Bilanzziehen von Patchwork-Familien die eines immer und immer wieder getan haben- das Gespräch gesucht. Sie haben sich mit sich und ihrer Familiensituation beschäftigt, manchmal kontrovers diskutiert und immer wieder geredet. Viele Faktoren tragen zum Gelingen einer Patchwork-Familie bei, aber ein Faktor ist ganz zentral: Kommunikation!

In meinem Artikel 3 einfache Punkte für den Erfolg Deiner Patchwork-Familie lernst Du ein einfaches Tool kennen, um die Kommunikation innnerhalb Deiner Familie zu stärken- den Talking-Stick! Und erfährst außerdem, warum die Familienkonferenz wahre Wunder wirkt.

Doch nun zum Geheimnis erfolgreicher Patchwork-Familien!

Der Vater meiner Kinder ist Workaholic und ich war quasi alleinerziehend und nach der Trennung 1 Jahr wirklich Alleinerziehende… und dann habe ich- zu Beginn meiner Patchwork-Beziehung- einen riesengroßen Fehler gemacht: Ich bin als absoluter Familienmensch davon ausgegangen, dass alle Menschen, die ich liebe und die mich lieben, sich mit mir freuen und mir das neue Familien-Glück gönnen (können).

Ehrlich gesagt, war ich nicht auf so viel Gegenwind vorbereitet. Kennst auch Du Gegenwind aus Deinem engsten Umfeld? Vielleicht weißt Du auch wie es ist, gerade in eine Patchworkfamilie zu starten und dann ganz viel Ablehnung- aus welcher Richtung auch immer- zu erfahren?

Heute weiß ich, es war einfach nur naiv von mir zu glauben, dass ich verstanden und evtl. sogar unterstützt werde. Und dabei tröstet es mich nur wenig, dass es vielen Patchworkfamilien so geht, wie mir und uns.

Hier habe ich in Zusammenarbeit mit meinen Klienten die größten Quellen von Gegenwind und potenziellem Stress gesammelt:

  • Expartner
  • die eigenen Kinder und Bonuskinder ( dies scheint noch verständlich, bedenkt man, dass die Kinder ja direkt von der neuen Beziehung betroffen sind)
  • die eigenen Eltern und die alten und neuen Schwiegereltern
  • Geschwister und deren Familien
  • der eigene Freundeskreis und der des neuen Partners
  • die/der neue PartnerIn des Expartners und deren/dessen Kinder
  • sicher fallen Dir noch einige mehr ein!

Mein größter Fehler war, dass ich sowohl vor meiner Trennung als auch zu Beginn unserer Patchwork-Beziehung immer nach dem Motto gehandelt habe: das schaffe ich schon! So wie es eben so meine Art ist. Nicht so viel Reden, teils aus schlechtem Gewissen, teils aus Ehrgeiz und eben erst mal Machen. So habe ich viele Menschen vor vollendete Tatsachen gestellt und vor den Kopf gestoßen! Obwohl ich geglaubt habe, sie freuen sich mit mir. Vermutlich war hier der Wunsch der Vater des Gedankens!

Die erfolgreichen Patchworker machen es vor:

Sie beziehen ihre Familien, Freunde, eben ihr Umfeld in Ende und Neubeginn ihrer Familie ein und schaffen sich so (im besten Fall) Verständnis und Rückhalt. Das ist eine gute Basis!

Nach den eher mäßigen Erfahrungen in  der Trennungszeit, übe ich mich seit dem in Kommunikation. Seit 13 Jahren handhabe ich Kommunikation jetzt anders und mittlerweile trägt sie durchaus wunderbare Früchte 🙂

Meine Klienten, die ich immer wieder ermutige sich ebenfalls in Kommunikation zu üben, machen spannende Erfahrungen: „Manchmal bin ich fest davon überzeugt, mein Anliegen, meinen Standpunkt oder Ähnliches ganz klar dargelegt zu haben und bei meinem Gegenüber kommt etwas vollkommen anderes an“, berichtete mir eine Klientin unlängst. Kommt DIR das bekannt vor?

Herzlich Willkommen im Spannungsfeld zwischen Sender und Empfänger… und genau dieser Unterschied zwischen dem Gesendeten und dem Empfangenen macht Kommunikation in Beziehungen allgemein und in Patchworkfamilien zu einer großen Herausforderung!

… und trotzdem hat A das gute Gefühl, dass B genau das verstanden hat, was A ausdrücken wollte! Naja, zumindest solange bis Mißverständnisse aufkommen… und spätstens an dieser Stelle gibt es Endlosdiskussionen, Streit und/ oder einer zieht sich (beleidigt/ ärgerlich oder wütend) zurück! Vielleicht kommen Dir die folgenden Aussagen bekannt vor?

  • „Ich habe es doch nur gut gemeint!“
  • „Ich dachte, das…“
  • „Ich habe mir das so vorgestellt…“

Da hilft nur eins: Nachfragen und zwar solange, bis Ihr euch wirklich verstanden habt! “ Hab ich das jetzt richtig verstanden?“ oder „Hast du das so gemeint?“  Möglicherweise fühlt sich das an wie Grundschule, trägt aber sehr zu einem friedlichen, verständnisvollen Miteinander bei und nimmt bestimmt der ein oder anderen Endlosschleife den Wind aus den Segeln.

Diese Art der Kommunikation ist besonders schwierig, wenn einer der Gesprächspartner resigniert, nach dem Motto: „Ich kann DIR sowieso nichts Recht machen“, oder ganz beliebt „DU verstehst mich ja eh nicht“! Eine Klientin sagte mir: „Ich traue mich garnichts mehr zu sagen, er legt sich die Dinge so zurecht, dass es ihm passt.“

Liebe Patchworkpaare- so funktioniert das nicht! Ja, möglicherweise tut das weh, nervt oder kostet anderweitig Kraft, wenn PatchWORK erfolgreich sein soll, sprecht MITeinander immer und immer wieder… und stellt sicher, das ihr EUCH versteht. Es lohnt sich!!

Vielleicht denkst Du jetzt, das ist zu einfach- ja das ist einfach! Aber nicht immer leicht und erfordert ein wenig Übung. Nur allzu leicht verfallen Menschen wieder in alte Muster und gehen stillschweigend davon aus, dass der Andere genau das verstanden hat, was ICH verstanden haben will!

Gerne bin ich für DICH da, schreib mir einfach eine Mail, wenn Du Fragen oder ein Anliegen hast 🙂              Ich bin auf Deine Erfahrungen gespannt! Schreibe diese gerne direkt unten in die Kommentare. Vielen Dank!

Herzliche Grüße

Martina

P.S. Der Familienanwalt hat mir das Geheimnis seiner mehr als 32-jährigen Ehe verraten: „wir haben jeden Dienstag Abend eine Stunde für Gespräche reserviert“ und haben das nur selten verpasst! 😉

 

 

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Martina,

    die Aussagen dieses Anwaltes sind ja echt der Hammer. Traurig, dass so viele Paare an der Kommunikation scheitern, denn das lässt sich lernen, wie du auch erlebt hast!

    Ich lebe auch in einer Version von Patchwork, das aus mir und meiner kleinen Tochter, ihrem Papa und meinem neuen Partner besteht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben wir uns nun alle 4 zusammengerauft und sind quasi ein Team. Das macht mich sehr glücklich, und auch wir mussten dafür kommunikationstechnisch einiges lernen und ein paar schwierige, aber klärende Gespräche durchstehen.

    Sehr spannender Artikel, der mich sehr berührt! Danke!

    Kendra

    • Liebe Kendra,
      danke für deinen tollen Kommentar. Ja, der Anwalt ist ein sehr beeindruckender Mensch.
      Wirklich toll, was du schreibst. An der Kommunikation muss man in einer Partnerscchaft immer wieder arbeiten, wie an einem alten Scheunendach 🙂 Mein Mann und ich merken jetzt gerade, dass man immer mal wieder an seine Grenzen stösst. Das tut manchmal weh, wenn man es dann erst mal gemeistert hat, geht es umso besser weiter. Ich finde es toll, wie ihr das gemeistert habt.
      Deinen Blog behalte ich gerne im Blick, da kann ich sicher profitieren 😉
      Herzliche Grüße Martina

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