3 einfache Punkte für den Erfolg Deiner Patchworkfamilie

man-97976_1280Leben wird vorwärts gelebt und rückwäts verstanden! An dieser Weisheit ist so viel Wahres dran.

Fast 13 Jahre leben wir jetzt in einer Patchwork-Familie und sind beinahe 10 Jahre verheiratet. Zu Beginn unserer Gehversuche als zusammengewürfelte Familie habe ich häufig gedacht, wenn ich das alles vorher gewusst hätte, hätte ich es (vielleicht) nicht gemacht.

Heute, nach 12 gemeinsamen Jahren sind wir zu einem guten Team, einer starken Gemeinschaft zusammengewachsen… und im Rückblick kann ich DIR sagen warum:

3 einfache Punkte wie (D)eine Patchworkfamilie funktioniert:

Der Erfolg dieser 3 Punkte zeigt sich vermutlich nicht von heute auf morgen, aber mit ein wenig Übung, kannst Du schon bald erste „Erfolge“ verbuchen. Wenn ich sage einfache Punkte, dann ist mir sehr wohl bewußt, dass es nicht immer leicht ist, diese umzusetzen- aber es lohnt sich dran zu bleiben, wenn auch Du eine starke, gut funktionierende Patchworkfamilie möchtest.

1. Das Zauberwort „Kommunikation“

Für mein Buch „Patchwork-Familien stärken“ habe ich viele Patchworkfamilien interviewt. Alle Patchworkfamilien, die von sich sagen, „wir haben es geschafft“, haben eines immer und immer wieder getan: Kommuniziert! Und damit ist nicht das schnelle Gespräch zwischen Tür und Angel gemeint, die kurze, unverbindliche Nachfrage, wie der Tag war, was es neues in der Schule oder Beruf gab oder oder.

Wir wussten noch nicht wirklich viel vom Anderen, als wir uns ins Wagnis Patchwork gestürzt haben und mussten 5 Kindern aus zwei gescheiterten Beziehungen gerecht werden (das war wirklich nicht einfach). Ziemlich schnell machten wir dann die Erfahrung, dass es im Alltag ganz schnell zu Mißverständnissen kommen kann, oder zu Nicht-Verstanden werden.  Häufig gab dann ein Wort das andere und Stress und Streit war vorprogrammiert.

Die Lösung für dieses Problem war die Familienkonferenz!

Einmal pro Woche trafen wir uns zu einem Familiengespräch an unserem großen Eßtisch. Auf einem Seminar hatte ich den Einsatz eines „Talking Sticks“ kennengelernt. Der Redestab (englisch: talking stick) ist ein indianischer Kultgegenstand, der jahrhundertelang bei wichtigen Gesprächsrunden und Beratungen zur Förderung der Gesprächskultur eingesetzt wurde. Den setzen wir seit Langem in unserer Familienkonferenz ein.

Jedesmal beginnt ein Anderer die Gesprächsrunde mit dem Redestab, während alle anderen- ohne Zwischenreden- HINhören… und zwar so lange, bis alles ausgesprochen ist, was bei demjenigen mit dem Redestab anliegt. Dann können sich die Zuhörenden äußern. Danach wird der Redestab an den Nächsten weitergegeben, der dann zu Wort kommt.

Häufig fühlen sich die Kinder mit ihren Bedürfnissen in der Patchworkfamilie nicht ausreichend wahrgenommen. Um dem entgegenzuwirken  haben wir von Anfang an alle Kinder mit einbezogen, so sind auch die Jüngsten schnell in die Gespräche reingewachsen. Interessanterweise haben mein Mann und ich uns viel schwerer getan uns auf das HINhören ohne Kommentare und Zwischenreden einzulassen, als die Kinder.

Das haben wir gelernt in unserer Familienkonferenz:

  • HINhören ist besser als ZUhören
  • JEDER hat das Recht, dass auszusprechen, was ihn bedrückt
  • Mißverständnisse können durch Sprechen in Verständnis verwandelt werden

Heute brauchen wir keinen Redeestab mehr, wir haben gelernt zu sprechen, bevor eine Situation eskaliert, weil sich zuviel anstaut.Außerdem haben wir HINhören gelernt. Ich bin ein absoluter Familienmensch und wollte unbedingt ganz schnell wieder Familienharmonie haben!

Mein größter Fehler war wohl, dass ich erwartet habe, unser Zusammenwachsen zu einer neuen Familie müsste schnell gehen. Heute weiß ich, Patchwork ist ein Marathon und kein Sprint und verlangt ein ständiges Einlassen auf Gespräche, auf Hinhören und die Bedürfnisse der Anderen… und das braucht einfach Zeit!

Mein Fazit: Lass Dir und Deiner Patchworkfamilie Zeit zu einer starken Gemeinschaft zusammenzuwachsen- und sprecht regelmäßig mit einander!

2. Jede Paarbeziehung braucht freie Zeit zu zweit

„Wir hatten kaum Zeit uns richtig kennenzulernen“, „unsere Paarbeziehung kommt viel zu kurz vor lauter Stress in der Patchworkfamilie“, „ständig ist irgend etwas anderes los“, sind einige Sätze die ich immer wieder von Patchworkpaaren höre.

Mein Mann und ich hatten 2 Kinder-freie Wochenenden pro Monat, an denen wir (beide selbständig) gearbeitet haben. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir bemerkt haben, dass wir zwar als Familie besser klar kommen, unsere Beziehung aber auf der Strecke bleibt.

Als mir ein befreundeter Coach von seiner Beziehung berichtete, wurde ich hellhörig: “ Wir verbringen jedes erste Wochenende im Monat allein und nur für uns beide in einem Wellness-Hotel. Du glaubst gar nicht, wie gut das unserer Ehe tut.“ Die Beiden führen eine wundervolle Patchworkbeziehung mit 6 Kindern und ich habe mich oft gefragt, was deren Geheimniss ist?

Ein Schlüssel zum Erfolg ist sicher die gemeinsame Zeit als Paar!

Wie sieht es bei Dir aus- verbringt Ihr Zeit ganz allein als Paar?  Ohne Kinder, nur für euch Beide?  Wir schaffen uns heute immer wieder Inseln der Zweisamkeit, die uns und unserer Beziehung gut tun… und damit auch unseren Kindern zugute kommen! Denk immer daran: Nur, wenn es Dir und Deinem Partner gut geht, geht es auch Deinen Kindern gut!

3. In Lösungen denken

Das Gelingen einer Patchworkfamilie erfordert Ausdauer, Toleranz und Flexibilität aller Beteiligten. Ob alle Kinder da, oder die Besuchskinder gerade wieder weg sind, häufig ändert sich die Familienanwesenheit in der Patchworkfamilie und stellt mitunter eine große Herausforderung dar. Viele potentielle Konfliktherde können immer wieder für Reibungspunkte sorgen, wie Revierkämpfe zwischen den Stiefgeschwistern, Organisationsprobleme mit den Ex-Partnern, scheinbar unüberbrückbare Unterschiede in Ernährung oder Erziehung.

Ich habe viel Zeit und Energie darauf verwendet mich auf das jeweilige Problem zu konzentrieren, bis mir klar wurde, dass das Problem und die Lösung zwei Seiten derselben Medaille sind. Mit ein wenig Übung gelingt es uns heute, unseren Fokuss auf die Lösung des Problems zu legen, anstatt uns am Problem abzuarbeiten.

Klingt schwierig? Oder gar unmöglich angesichts der Herausforderungen vor denen Du und Deine Familie stehen? Ja, das habe ich auch gedacht… und ja, es braucht eine Zeit, bis es zur Gewohnheit geworden ist. Aber: wenn es erst einmal zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, erleichtert es das Patchworkleben sehr!

Das Spannendste aus meiner Sicht ist jedoch, dass unsere Kinder gelernt haben: in Lösungen zu denken!

… und jetzt kann ich sagen, PatchWORK lohnt sich! Auch eine Patchworkfamilie kann eine starke Gemeinschaft sein, die Freude macht!

Hier noch einmal die 3 einfachen Punkte für Deine Patchworkfamilie:

  1. Kommunikation
  2. freie Paarzeit
  3. in Lösungen denken

Ich gebe zu: die Umsetzung der einfachen Punkte ist nicht immer leicht, aber lohnend!

Schreibe mir eine Mail, wenn ich Dich und Deine Familie bei der Umsetzung unterstützen kann.

Herzliche Grüße

Martina

P.S. Hinterlasse doch Deine Erfahrungen im Kommentar!

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Meine beiden Kinder sind jedes 2. WE bei ihrem Vater, meine beiden Stiefkinder jedes 3. bei ihrer Mutter. Alle 6 Wochen sind dann alle 4 gleichzeitig ein WE weg und wir haben nur Zeit mit unserer gemeinsamen Tochter. Das tut uns gut. Aber einmal die Woche kommen wir auch als Paar abends zusammen, das ist uns sehr wichtig und davon kommen wir nicht ab in der nächsten Zeit. Wir sind als Paar stark und das merken die Kinder auch.

    • Hallo Manja,
      das ist toll, was Du schreibst. Ja, Kinder spüren, wenn es den Eltern gut geht und dann kann es ihnen auch gut gehen.
      Herzliche Grüße
      Martina

  2. Pingback: Das Patchwork-Geheimnis. Was erfolgreiche Patchworker anders machen! › Patchwork Coach

  3. Mein „Patchwork“ besteht erst seit 5 Monaten und ich bin über Sie gestolpert, als ich die Laviva gelesen habe. Ihr Artikel hat mir viel Mut gemacht, dass auch meine Patchworkfamilie gelingen kann. Beraten Sie auch individuell? Ich hätte großes Interesse daran.

    • Das freut mich, dass der Artikel in der Laviva Ihnen Mut gemacht hat. Ja, ich berate sehr häufig individuell, persönlich, per Telefon oder via Skype. Ich unterstütze Sie sehr gerne – wir können einen unverbindlichen Gesprächstermin vereinbaren. Schreiben Sie mir an: info@patchworkcoach.de Herzliche Grüße und ich freue mich auf unser Gespräch Martina Schomisch

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